Täglich analysieren uns die sozialen Netzwerke. Plattformen scheinen unsere Feeds zu steuern und verstärken Trends, die oft mehr mit Engagement-Raten als mit Relevanz zu tun haben. Geht Dir das auch so? Doch was bedeutet das alles für unsere Meinungsbildung und unser digitales Verhalten? Strahlt es womöglich auf unsere (auch analogen) Beziehung aus? Wieviel Kontrolle haben wir wirklich? Zeit, hinter die Kulissen des Algorithmus zu schauen und die eigene digitale Führung zu übernehmen. Darum geht es in diesem Artikel.

Social Media: Wer führt hier eigentlich wen?

Ein ganz kurzes Heranführen ans Thema: Wir glauben, souverän durch Social Media zu navigieren – aber wer steuert wen? Oder auch…

Führen oder geführt werden? Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass Du denkst, dass Algorithmen Dein Verhalten beeinflussen. Ein hohes Gut, ein Grundbedürfnis ist es doch, dass jede:r von uns souverän und autark bleibt. Bestimmst Du selbst, was Du in Social Media siehst – oder bestimmt der Algorithmus womöglich (für) Dich? Wenn Du nur daran denkst, schleicht vielleicht sich ein mulmiges Gefühl bei Dir ein.

Ich sage Dir was: Ich nehme dieses flaue Etwas in meinem Bauch auch wahr. Damit habe ich den ersten Schritt im Selbst-Coaching bereits getan. Wenn mir etwas nicht gefällt, denke ich mir: „Denk‘ anders, Christoph!“

Die Rolle/Funktionen/Wirkung von Algorithmen ist nämlich, dass sie Inhalte personalisieren, beeinflussen Trends und steuern Sichtbarkeit. Sichtbarkeit unserer Themen, zunächst einmal nur in unserer Bubble. In ganz positivem Sinne. Mir stellt sich immer wieder die Kernfrage: Wie behalte ich die Kontrolle über meine eigene digitale Präsenz? Im Prinzip ist das ganz einfach:

  • Du lieferst eigene Beiträge.
  • Du kommentierst.
  • Du teilst.
  • Du scrollst weiter.
  • Du blendest aus.
  • Du meldest Beiträge.
  • Du blockierst Profile.

Genau da liegt der Hund begraben.

Du machst das nicht einmalig, und dann bist Du durch damit. Nein, kon-ti-nu-ier-lich! Denn wir bewegen uns täglich durch Social Media, scrollen durch Feeds, klicken auf empfohlene Inhalte und denken oft, wir hätten die volle Kontrolle über das, was wir sehen. Doch stimmt das wirklich?

Hinter jeder Plattform stehen komplexe Algorithmen, die nicht nur analysieren, was wir suchen, liken oder teilen, sondern auch aktiv steuern, was uns als Nächstes angezeigt wird. Sie entscheiden mit, welche Hypes sich zu Trends auswachsen, welche Trends und Themen in den Hintergrund rücken. Und: sogar, welche Meinungen sich multiplizieren. Welche Tabus gebrochen werden. Bei den Kipppunkten, die in verschiedenen Systemen eine Umkehr unmöglich machen (The Point of no Return), verhält es sich nicht anders als mit der sichtbaren, also visualisierten, artikulierten Meinung. Ein Thema respektive eine Meinung wird massentauglich, wenn 6% es laut aussprechen.

Du siehst und verstehst, worauf ich hinaus möchte.

Die zentrale Frage ist also: Behalten wir die Kontrolle über unser digitales Verhalten – oder lassen wir uns (unbewusst) führen?

(D)Ein Algorithmus als unsichtbarer Entscheider

Was sind Algorithmen, und wie funktionieren sie? Kurz und verständlich: Ein Algorithmus ist im Grunde eine mathematische Formel, die darauf ausgelegt ist, unsere Interessen vorherzusagen. Basierend auf unserem bisherigen Verhalten zeigt er uns Inhalte, die uns mit hoher Wahrscheinlichkeit interessieren. Das klingt erstmal ganz praktisch – schließlich wollen wir ja relevante Inhalte sehen. Oder?

De facto hast Du vorher mitentschieden, was bei Dir eine Rolle spielt:

  • Was hast Du Dir wie lange angeschaut?
  • Wo warst Du neugierig und hast auf eine reißerische Headline geklickt?
  • Welchen Zeitvertreib hast Du gewählt und (stundenlang) lustige Videohäppchen konsumiert?

Jedoch: Wie ein Social Media Algorithmus unser Such- und Surfverhalten auswertet und daraus Empfehlungen generiert, ist ein gnadenloses Problem…

…von Echokammern…

Ständiges Wiederholen macht noch keine Wahrheit. Stichwort Fake News. Heutzutage wird es dank KI auch echt herausfordernd. (Auch) Ich empfinde es als Belastung, wenn alte Beiträge wieder hochgespült werden, weil ein neuer Kommentar eine neuartige Relevanz vorgaukeln. Mein erster Blick geht mittlerweile immer auf das Erstellungsdatum.

Ganz gleich, ob das bei LinkedIn, Instagram oder Facebook ist. Diesen Automatismus habe ich als Routine installiert. Ebenso wie ich auf direkt sichtbare Links schaue. Alles, was ich nicht kenne, eine kryptische URL (Webadresse) klicke ich nicht an. Zusätzlich schaue ich beim Suchmaschinengiganten, ob es mehrere vertrauenswürdige Quellen gibt. Auf den Seiten selbst: Impressum als Prio 1.

Ja, das ist aufwändig. Und äußerst wichtig in hyperschnellen Zeiten.

…und Filterblasen…

Doch diese Systeme haben eine Schattenseite: Sie erschaffen Filterblasen. Wer sich einmal intensiv mit einem Thema beschäftigt – sei es vegane Ernährung, politische Bewegungen oder ein neuer Lifestyle-Trend – bekommt zunehmend Inhalte angezeigt, die diese Perspektive verstärken. Alternativen, kritische Stimmen oder andere Sichtweisen? Verschwinden oft aus dem Blickfeld.

Das bedeutet: Wir sehen nicht mehr die Welt, wie sie ist, sondern eine Version davon, die von Algorithmen für uns kuratiert wird.

Mein (weiser) Rat: bleibe aktiv und verzage nicht. Lege Dir Linklisten, Lesezeichen, Favoriten von Dir vertrauenswürdigen Quellen an. Reserviere Dir Zeiten für derlei Recherche in Deinem Kalender. Bei solch einem Termin limitiere die Zeit und stelle einen Timer. Psychohygiene at its best!

Von Hypes zu Trends: Wenn Algorithmen verstärken

Wie Social-Media-Trends entstehen und sich durch Algorithmen verstärken: Social-Media-Plattformen sind darauf ausgelegt, Engagement zu maximieren. Das bedeutet, sie bevorzugen Inhalte, die viele Reaktionen hervorrufen. Das können lustige Memes sein, aber eben auch polarisierende Diskussionen oder emotionale Aufreger.

Die Mechanismen hinter viralen Inhalten und künstlichen Hypes: Ein Video geht beispielsweise viral, weil es besonders schockierend oder äußerte Unterhaltung verspricht. Der Algorithmus merkt, dass viele es anschauen, liken und teilen – also zeigt er es noch mehr Menschen. Das führt dazu, dass das Thema plötzlich in aller Munde ist, obwohl es vielleicht vor einer Woche noch kaum eine Rolle spielte.

Einzelne Hypes können so groß werden, dass sie den Eindruck erwecken, eine gesellschaftliche Bewegung sei im Gange. Doch was passiert oft? Nach ein paar Tagen ist das Thema wieder verschwunden – weil der Algorithmus längst ein neues gefunden hat.

Hier stellt sich die Frage: Welche Trends haben wirklich Substanz – und welche sind nur digitale Strohfeuer? Viraler Trend versus nachhaltiger Diskurs?

Das ist zum Beispiel ein Grund, warum ich mich selten bis nie an Diskussionen beteilige, wenn ein Thema gerade aufploppt. Als strukturierter Analyst nehme ich mir Zeit, bis Dinge sich sortieren. Oder erledigt haben. Mein „aktuelles“ Thema: Ein eigener Beitrag zur KI steht seit Ende 2022 in meinem Redaktionsplan. Tja. Als ich diesen Artikel hier schrieb, war dem bereits über zwei Jahre so.

Die Wogen sind geglättet, der Hype vorbei, die Entwicklung rasant. Aktuell, diesbezüglich, kannst Du gar nicht sein. Ich schaue also, wofür ist das alles gut – und nehme es nun ziemlich konkret auf. Denn 2025, das Jahr, das ich für mich unter das Wort „Führung“ stelle, kann den Trend ziemlich gut abbilden. Mit allen Erfahrungen, die die Welt mittlerweile damit gemacht hat. Sei es Text, Bild, Video.

Manipulation oder Steuerung? Grauzonen im Social Media Algorithmus.

Wie soziale Netzwerke Interessen steuern? Mit Werbung, gezielten Inhalten und selbstverständlich (?) politischer Einflussnahme. Plattformen wie Facebook, Instagram oder TikTok verdienen ihr Geld mit Werbung. Je länger wir auf einer Plattform bleiben, desto mehr Anzeigen können sie uns ausspielen. Also optimieren sie ihre Algorithmen so, dass sie uns immer weiter im Bann halten.

Das Bild zeigt ein neurales Netz im Gehirn – so wie uns ganz automatisch der Social Media Algorithmus steuert (Photocredit: 100502500 via depositphotos)

Ja, es ist ein schmaler Grat zwischen personalisiertem Content und Manipulation. Das Problem: Gerade emotionale oder polarisierende Inhalte sorgen für besonders hohe Interaktionsraten. Und genau deshalb kann Social Media manchmal wie eine Endlosschleife aus Empörung, Angst oder Hypes wirken.

Ein weiteres Beispiel ist die politische Beeinflussung: Studien zeigen, dass Algorithmen gezielt genutzt werden können, um bestimmte Narrative zu verstärken – sei es durch staatliche Akteure oder Interessengruppen. Insbesondere im Vorfeld von Wahlen ist dies stark zu beobachten. Ich lasse die Frage der Ethik hier einmal dahingestellt sein. Nur so viel: Ich vertrete ein demokratisches zugewandtes Weltbild. Fingerzeige, die Anderen und so weiter – das ist nicht so meines. Genau das jedoch, wird mir seit der Corona-Pandemie verstärkt ausgespielt.

Die Konsequenz: Wenn Du Dich nicht aktiv damit auseinandersetzt, wie Inhalte gesteuert werden, läufst Du Gefahr, eine verzerrte Realität zu konsumieren. Mein Appell: Schaue genau hin, wo Personalisierung für Dich genau endet – und wo Manipulation beginnt.

Ich bin etwa jeden Tag fünf Minuten damit beschäftigt, Inhalte auszublenden, mein Desinteresse zu bekunden, oder ein eigener Fakten-Checker zu sein. Allerspätestens seit Twitter nicht mehr so heißt.

Fazit: Bleib souverän und nutze den Algorithmus bewusst!

Wenn ich meinen Artikel hier so Revue passieren lasse… Ja, ich habe drei Tage daran geschrieben, liegen lassen, optimiert, liegen lassen, dann merke ich: Es tut gut, mir selbst auch nochmal auf die Schliche gekommen zu sein. Ich möchte Dir folgendes mitgeben:

Schaffe Dir ein Bewusstsein für Dein Suchverhalten und kritisches Hinterfragen von Hypes (Trends?) und lege Dir Kriterien für eine selbstbestimmte Nutzung von Social Media zurecht.

Die gute Nachricht bei alledem: Du bist nicht hilflos – und schon gar nicht ausgeliefert. Es gibt Wege, die Kontrolle über Deine digitale Erfahrung zurückzugewinnen. Gewinnen, das ist der Punkt. Hier ein paar Strategieansätze:

  1. Bewusstes Suchverhalten: Nutze Social Media nicht nur passiv, sondern suche aktiv nach unterschiedlichen Perspektiven. Folge bewusst auch Menschen und Quellen, die andere Meinungen vertreten.
  2. Algorithmen austricksen: Indem Du gezielt neue Inhalte suchst und interagierst, kannst du den Algorithmus umtrainieren.
  3. Trend-Bewusstsein: Hinterfrage, warum ein Thema plötzlich überall auftaucht. Ist es wirklich relevant – oder nur ein kurzfristiger Hype?
  4. Eigene Medienkompetenz stärken: Sei Dir dessen bewusst, dass Social Media kein neutraler Raum ist. Informiere dich darüber, wie Plattformen funktionieren und welche Mechanismen dahinterstecken.
  5. Digitale Führung übernehmen: anstatt sich nur von Inhalten berieseln zu lassen, werde selbst aktiv. Die Devise kann nur lauten: aktiv gestalten statt nur reagieren! Produziere Inhalte, besetze eigene Themen, platziere Deine Statements, moderiere bewusst Diskussionen auf Deinen Profilen.

Das Wichtigste jedoch: Webseite und Newsletter bedeuten Autarkie. Meine Prämisse liegt auf dem, was ich wirklich im Griff habe – und das empfehle ich Dir auch. Nutze Deine Webpräsenz zum Veröffentlichen von Blogartikeln. Social Media dienen als Hub, als Verteilerstation mit Kommunikationsfaktor.

Abschließend.

Wir glauben, Social Media nach unseren Interessen zu nutzen – doch oft nutzt Social Media uns. Algorithmen analysieren unser Verhalten, filtern Inhalte und entscheiden, was wir sehen. Sie verstärken Trends, lenken Diskussionen und beeinflussen sogar unsere Meinungen. Doch sind wir uns dieser Steuerung wirklich bewusst?

Algorithmen sind weder gut noch böse – sie sind Werkzeuge, die uns Inhalte basierend auf unseren Interaktionen zeigen. Doch wenn wir nicht aufpassen, übernehmen sie unbemerkt die Führung über unser digitales Verhalten. Wirkliche digitale Souveränität bedeutet, dass Du Dir dieser Mechanismen bewusst bist und aktiv entscheidest, wie Du derlei für Dich und einsetzen kannst.

Deshalb die abschließende Frage: Wie gehst du mit vom Social Media Algorithmus gesteuerten Inhalten um? Nutzt du Social Media – oder nutzt Social Media Dich?

Any Questions left? Dann melde Dich bei mir. Ganz gleich, ob es bei Dir heißt:

  • Weg von.
  • Hin zu.
  • Einfach anders.

In diesem Sinne: Herzliche Grüße aus dem Bergischen Land,
Dein Christoph Ziegler
Social Media – Vision. Mission. Kreation.

(Photocredit: 100502500 via depositphotos)

About the Author

J. Christoph Ziegler ist Social Media Stratege und der Kopf bei kumulus ® – besonnen, auf Augenhöhe und immer wohlwollend kritisch. Sein Credo? Offline-Business online beleben! Hier im kumulus-Blog liefert er Impulse zum Start in Social Media und gibt zwischendurch kurze und knackige Tipps für soziale Netzwerke und eine gelungene Kommunikation.

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